Selbst- und Fremdbild

 

 

Wie wirke ich auf andere?

 

 

Und warum ist diese Frage im Arbeitsleben so wichtig?

 

 

 

 

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum ihr Gegenüber sie einfach nicht so wahrnimmt, wie sie sind?

 

Wenn Sie sich diese Frage gestellt haben, hat sich Ihnen bestimmt die Frage angeschlossen, wie Sie auf andere wirken bzw. wirken wollen und ob Sie auf ihren Gegenüber anders wirken, als sie das selbst wahrnehmen?

 

Und haben Sie dabei gemerkt, dass diese Fragen wesentlichen Einfluss auf Ihr Wohlbefinden haben? Und damit auch ganz wesentlich zur (Un-) Zufriedenheit im Privat-, Berufs- oder Geschäftsleben beitragen?

 

 

Wie wirke ich auf andere?

 

 

Um die Frage, wie Sie auf andere wirken, zu beantworten, können wir sie uns selbst stellen oder von Dritten beantworten lassen. Stellen wir uns selbst die Frage, erhalten wir unser Selbstbild. Stellen wir die Frage einem Dritten, erhalten wir ein Fremdbild von uns.

 

 

Wie entsteht mein Selbstbild?

 

 

Unser Selbstbild beruht auf Selbstwahrnehmung; das Fremdbild darauf, wie Dritte uns von außen wahrnehmen. Das Selbstbild misst sich auch daran, wie jemand gerne sein will (erwünschtes Selbstbild bzw. Wunschbild) und unterliegt laufenden Wandlungen.

 

Welches Selbstbild wir von uns haben, hängt von mehreren Faktoren ab: von unserer Prägung, unseren Werten und unseren Stärken und Schwächen. Das Selbstbild entsteht dadurch, welche Rückmeldungen bzw. welches Feedback wir in der Vergangenheit erhalten haben und aktuell aus unserem Umfeld bekommen.

 

Grund dafür ist, dass wir keine autonomen, sondern soziale Wesen sind. Wir sind gesellschaftlich eingebunden und interagieren mit anderen. Unser Selbstbild baut also im Kern auf der Wirkung auf, die wir bei anderen ausgelöst haben bzw. auslösen.

 

 

Positive Wirkungen können dabei haben: Lob und Kritik, Respekt, Wertschätzung und Liebe bzw. Sympathie. Oft handelt es sich jedoch auch um negatives Rückmeldungen an uns, die dann ebenfalls und meist ganz massiv zu unserm Selbstbild beitragen.

 

 

Daraus ergibt sich, dass das Selbstbild wesentlich von der Art des Feedbacks abhängt, das wir erhalten. Und dass diese Abhängigkeit von Feedback dazu führen kann, dass unser Selbstbild von unserem Fremdbild abweichen kann.

 

 

Wichtig ist unser Selbstbild, weil es unser Denken, Fühlen und unser Verhalten steuert. Und unser Verhalten wiederum wesentlich für unser Fremdbild ist. So schließt sich der Kreis und nicht selten führt das dazu, dass wir uns von anderen als völlig falsch eingeschätzt wahrnehmen.

 

Wie entsteht ein Fremdbild von mir?

 

 

Ein Fremdbild ist die Zusammenfassung aller Wahrnehmungen, Gefühle und Bewertungen, die Dritte von uns haben. Uns bereits bekannte Dritte verknüpfen uns automatisch mit früheren Erfahrungen, die sie mit uns gemacht haben und mit den aus dieser Verknüpfung entstehenden Gefühlen und Bewertungen.

 

Das Bild, das andere von uns haben, prägt wiederum deren Erwartungen uns gegenüber. Daraus ergibt sich, dass das Fremdbild ein Feedback an uns ist und daher wesentlich dazu beiträgt, wie wir uns fühlen. Das Fremdbild hat somit wesentlichen Einfluss auf den Umgang miteinander.

 

 

 

 

Selbst- und Fremdbild im sog. Johari-Fenster

 

 

Grafisch lässt sich der Blickwinkel, in dem unser Selbst- und Fremdbild entsteht am sog. Johari-Fenster darstellen[1]:

 

 

 

mir bekannt

mir unbekannt

den anderen bekannt

Öffentliche Person

(Eigenschaften, die sowohl einem selbst als auch anderen bekannt sind)

Blinder Fleck

(Eigenschaften, die einem selbst zwar unbekannt bzw. unbewusst sind, den anderen jedoch bekannt bzw. bewusst sind)

den anderen unbekannt

Private Person

(mein Geheimnis;

Bereich, den wir selbst kennen, den wir aber nicht mit anderen teilen wollen)

Unbekanntes,

Unbewusstes

(Eigenschaften, die weder einem selbst noch anderen bekannt sind, jedoch unser Handeln beeinflussen)

 

 

Aus dieser Zuordnung können folgende Schlüsse gezogen werden:

 

·       andere nehmen Verhaltensweisen (unbewusste Gewohnheiten, Vorurteile oder Zuneigungen) an mir wahr, die mir nicht bewusst sind

 

·       je größer der „blinde Fleck“, desto unsicherer mein Verhalten

 

·       Feedback vergrößert meine „öffentliche Person“, mein „blinden Fleck“ verkleinert sich entsprechend. Dadurch kann das Bewusstsein erweitert werden, wie ich auf andere wirke, d.h. das Selbstbild kann dem Fremdbild angepasst werden.

 

 

Warum stimmen Selbst- und Fremdbild oft nicht überein?

 

 

Nicht allen ist bewusst, dass die eigene Einschätzung oftmals ganz enorm von der Sichtweise, Beurteilung und Meinung der Mitmenschen abweicht. In der Psychologie spricht man von Selbstbild-Fremdbild-Inkongruenz.

 


 

Je klarer das Selbstbild ist und je besser es mit den Fremdbildern übereinstimmt, desto mehr können wir unser Verhalten steuern. Hierdurch können wir einen angemessenen Umgang mit anderen fördern. Und je besser wir unser Selbstbild kennen, desto eindeutiger können wir auch unser erwünschtes Selbstbild gestalten.

 

 

Warum ist die Frage, wie ich auf andere wirke, im Arbeitsleben so wichtig?

 

 

Um die Frage zu beantworten, können wir uns vor Augen führen, was passiert, wenn das Selbstbild und das Fremdbild wesentlich voneinander abweichen.

 

Ein falsches Selbstbild kann zu falschem Verhalten führen. Und dadurch nicht selten zu Problemen, Konflikten und Missverständnissen, deren Ursache
wir zumeist auf etwas völlig anderes (andere Menschen, Umstände, Zufall etc.) zurückführen.

 

 

Das kann zur Folge haben, dass Sie sich unterschätzen. Dann trauen Sie sich Dinge nicht zu, die Sie eigentlich schaffen könnten.

 

Möglich wäre auch, Sie überschätzen sich.  Dann gehen Sie ggf. Dinge an, die nicht zu Ihren Stären gehören.

 

 

In beiden Fällen kann davon ausgegangen werden, dass Sie Verhaltensweisen haben, die Ihnen nicht bewusst sind. Und dass Sie bestimmte Verhaltensweise nicht erkennen bzw. nicht wahrnehmen. Im Arbeitsleben kann das bedeuten, dass Sie das Tätigkeitsfeld, welches Ihnen Freude, Zufriedenheit und Erfolg beschert und welches Ihren Stärken entspricht, noch nicht gefunden haben.

 

 

Um diese Tätigkeitsfeld zu finden, kann es vorteilhaft sein, sich mit der Frage seines eigenen Selbst- und Fremdbildes zu beschäftigen.

 

 

Wie erhalten Sie Ihr Selbst- bzw. Ihr Fremdbild und wie kann mit einem vom Fremdbild abweichenden Selbstbild umgegangen werden?

 

 

Zuerst einmal ist es entscheidend zu analysieren, wie Sie sich selbst sehen. Das kann erfahrungsgemäß dadurch gelingen, dass Sie sich Zeit nehmen, darüber nachzudenken und Ihre Gedanken schriftlich festhalten.

 

 

Im nächsten Schritt kann dann ermittelt werden, wie Sie von Dritten wahrgenommen werden. Hierzu können Sie Ihnen bekannte und vertraute Dritte um Feedback bitten. Wichtig dabei ist jedoch, dass Sie ehrliches und qualitativ hochwertiges Feedback erhalten. Exakt das fehlt aber zumeist. Gesellschaftliche Konventionen (Höflichkeit, Respekt etc.) oder kommerzielle Absichten (Kundengewinnung, Kundenberatung, Verkauf, Konkurrenz etc.) verbieten es, ehrliche und ggf. kritische Rückmeldungen zu geben.

 

 

Somit ist das Vorgehen, eine qualitativ hochwertige Rückmeldung von jemand Bekanntem zu erhalten gerade im Arbeitsleben oft nicht umsetzbar. Daher kann es ratsam sein, die Rückmeldung eines Experten einzuholen. Hierzu eigenen sich z.B. Business Coaches usw. Sie werden sehen: es ist oft sehr überraschend, wie andere uns sehen bzw. „uns die Augen öffnen“.

 

 

Feedback ist somit eine Möglichkeit, ihr Fremdbild kennenzulernen. Damit haben Sie nun die Möglichkeit, ihr Selbstbild so zu gestalten, dass es ihrem Wunschbild entspricht. So ist es vor allem im Arbeitsleben von entscheidender Bedeutung, wir Sie wirken und wie Sie diese Wirkung beeinflussen können.

 

 

Genauso wesentlich ist es jedoch, dass Ihre Selbstbild mit Ihren Werten übereinstimmt. Dazu können Sie sich die Frage stellen, welche Werte Ihnen wichtig sind und in welcher Form Sie diese vertreten bzw. verkörpern wollen.

 

 

Hierdurch kann sich Ihr Verhalten bzw. Ihr gesamten Auftreten und somit Ihr Fremdbild verändern, hin zu einer von Ihren Werten getragenen Wahrnehmung.

 

 

Welche Bedeutung hat das Selbst,- Wunsch- und Fremdbild für die Mediation?

 

 

Da sich die Mediation mit Konflikten, d.h. mit Themen, die aus der Unzufriedenheit in bestimmten Lebensbereichen entstehen, beschäftigt, spielt die Frage der Selbst- bzw. Fremdwahrnehmung hierbei eine wesentliche Rolle.

 

 

Wie bereits dargestellt, steuert unser Selbstbild unser Denken, Fühlen und unser Verhalten anderen gegenüber. Und die anderen nehmen dann eine entsprechende Einschätzung von uns vor. Diese Meinungsbilder (z.B. kompetent oder inkompetent) und Gefühlen (z.B. sympathisch oder unsympathisch) können wesentlich zu Konflikten beitragen. Je größer hierbei unser „blinder Fleck“ ist, je höher ist unsere Verunsicherung und umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, Konflikte auszulösen oder in Konflikte zu geraten.

 

 

Ein unstimmiges Selbstbild erhöht somit die Gefahr, in Konflikten zu geraten. Für Unternehmen potenziert sich diese Gefahr durch die Anzahl betreffender Mitarbeiter.

 

Mediation arbeitet mit Erkenntnissen zum Selbst- bzw. Fremdbild, indem sie den Konfliktparteien die Situation ihres Gegenüber spiegeln. In ihren Gesprächen stellen Sie dabei darauf ab, ob und falls ja welche Bedürfnisse des Gegenübers den Beteiligten klarer bewusst geworden sind.

 

 

Konfliktparteien erhalten in der Mediation qualitativ hochwertiges Feedback. In der Regel erhöht es ihre Bereitschaft, selbst Feedback zu geben oder anzunehmen. Ärger und Konflikte anzusprechen, dabei aber Kritik als Chance zu erkennen, ist ein wesentliches Ziel der Mediation. Und ganz nebenbei führt es auch noch dazu, dass das Selbstbild der Beteiligten besser mit ihrem Fremdbild übereinstimmt.

 

 

Fazit

 

 

Die Übereinstimmung von Selbst- und Fremdbild sind wesentliche Voraussetzungen, um angemessen mit anderen umgehen zu können.

 

 

Essentiell ist das insbesondere auch in der Arbeitswelt. Um das Selbstbild mit dem Fremdbild abzustimmen, ist es hilfreich, qualitativ hochwertiges Feedback zu erhalten. Dabei empfiehlt sich die Unterstützung durch einen erfahrenen Feedbackgeber z.B. einen Business Coach.

 

 

Auch in der Mediation wird das Selbst- und das Fremdbild ermittelt und in Übereinstimmung gebracht. So eignet sich Mediation zu einen zur akuten Konfliktbewältigung. Eine weitere, nachhaltige Wirkung der Mediation ist, dass das Selbstbild und das Fremdbild der Konfliktparteien dahingehend verändert wird, dass diese besser übereinstimmen.

 

 

Und wenn Ihr Selbstbild mit Ihrem Fremdbild weitgehend übereinstimmt, wissen Sie, wie Sie auf andere wirken. Und Sie werden umgehend die Erfahrung machen, warum das im Arbeitsleben so wichtig ist!

 

Foto: pixabay.com

 



[1] Das Johari-Fenster wurde nach den Vornamen seiner Erfinder Joseph Luft und Harry Ingham benannt.