Vermächtnis

 

Ein Vermächtnis ist die Zuwendung eines Vermögensvorteils durch ein Testament oder einen Erbvertrag:

  • der Vermächtnisnehmer wird nicht Erbe
  • der Vermächtnisnehmer erhält einen schuldrechtlichen Anspruch gegenüber den Erben, den er geltend machen muss
  • er erwirbt nicht unmittelbar mit Eintritt des Erbfalls (er hat somit eine schwächere Rechtsposition als ein Erbe)
  • im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge gibt es keine Vermächtnisnehmer, der Erblasser muss das Vermächtnis aktiv regeln
  • der Vermächtnisnehmer kann das Vermächtnis ausschlagen. Er kann – sofern berechtigt – auch den Pflichtteil geltend machen.
  • Gegenstand eines Vermächtnisses kann die Zuwendung beliebiger Vermögenswerte sein, etwa die Übereignung bestimmter Sachen, die Zahlung eines Geldbetrags oder die Einräumung von Rechten wie Wohnrechte oder einem Nießbrauch
  • in der Praxis ist ein Vermächtnis häufig erst durch Auslegung des Willens des Erblassers ergründbar
  • es gibt bestimmte Formen von Vermächtnissen: Ersatzvermächtnis, Nachvermächtnis, Verschaffungsvermächtnis, Vorausvermächtnis
  • auch Erben können als Vermächtnisnehmer bedacht werden, in der Praxis ist die Abgrenzung eines Vorausvermächtnisses von einer Teilungsanordnung oft schwierig, hat aber weitreichende rechtliche Konsequenzen
  • ein Vermächtnis ist erbschaftsteuerpflichtig

Ein Vermächtnis kann in Frage kommen, wenn der Erblasser

  • jemandem die Pflichten rund um die Abwicklung seines Nachlasses ersparen will,
  • dem Vermächtnisnehmer keine Mitspracherechte in einer Erbengemeinschaft einräumen will,
  • dem Vermächtnisnehmer einen bestimmten Gegenstand oder ein bestimmtes Recht zukommen lassen will